Allgemeine Informationen

Unsere Nachrichten können Sie auch als RSS-Feed abonnieren.
Seite Aktuelles innerhalb der Website der Carl-Theodor-Schule aufrufen (falls Sie nur unser News-Blog sehen).

Mittwoch, 13. Juni 2018

„Nutzt die Chance, dass ihr hier in Frieden lernen dürft!“

CTS-Lehrerin Nicola Hoefs, Said Azima, Raquel Rempp (v.l.)

Der Afghane Said Azami sprach vor Schülern der Carl-Theodor-Schule über Flucht und Neuanfang

„Mut zu neuen Wegen“ nannte Said Azami das erste seiner beiden Bücher, das er mit Hilfe seiner ehrenamtlichen Betreuerin Raquel Rempp schrieb. Was sich wie der Titel eines Lebensratgebers anhört, entpuppt sich als Erinnerungsbuch eines Mannes, der im Krieg geboren wurde und bis zu seiner Ankunft in Deutschland vor vier Jahren nichts anderes erlebt hat. „Wenn ich als Kind weinte, bekam ich eine Kalaschnikoff zum Spielen und zur Beruhigung“, berichtete er den Schülern der neunten Klassen der Carl-Theodor-Schule, die ihm über eine Stunde lang aufmerksam zuhörten.
Warum diese Veranstaltung in einer Schule? Organisatorin und Lehrerin Nicola Hoefs, die seit mehreren Jahren mit jungen Flüchtlingen arbeitet, brachte es auf den Punkt: „Es ist wichtig zu verstehen, warum Trauer und Angst da sind, wenn man als Flüchtling in Deutschland lebt.“ Afghanistan gehört zu den Ländern, die derzeit als „sichere Herkunftsländer“ eingestuft werden. Für die Flüchtlinge bedeutet das, dass sie jederzeit abgeschoben werden können. Afghanistan sei jedoch ein Land, das noch längst keinen Frieden gefunden habe, so Azami: „Die Menschen wissen nicht, wo und wer der Feind ist.“ Verminte Straßen und Bombenattentate gehören zum Alltag.
Eindrücklich und durchweg auf Deutsch schilderte er, wie sein Elternhaus in einem Dorf im Norden Afghanistans von sowjetischen Hubschraubern bombardiert wurde. Nach zehn Jahren Besatzung zogen die Sowjets ab und die Mujahedin übernahmen die Herrschaft. „Sie nahmen die Reformen der Sowjets zurück, Mädchen durften nicht mehr in die Schule gehen und mussten sich verschleiern“, berichtete Azami. Er versuchte mehrfach zu flüchten, nach Pakistan und in den Iran, schließlich Richtung Europa. Deutschland war „das Land mit dem guten Ruf“. „Er arbeitet wie ein Deutscher“ hieß es in seinem Dorf, wenn jemand sehr fleißig war. Inzwischen ist er anerkannter Asylant und besucht einen Orientierungskurs, um später eine Ausbildung beginnen zu können.
Besonders beeindruckt waren die Schüler von seiner Schilderung der U-Haft in einer Zelle in Griechenland, als zwölf Flüchtlinge acht Tage lang auf wenigen Quadratmetern ausharren mussten. „ Dass er nie die Hoffnung aufgegeben hat, das hat mir selber Kraft gegeben, weiterzumachen, auch wenn es mal nicht gut aussieht,“ bilanzierte der Neuntklässler Fynn nach der Lesung. Und Joel wurde klar „wie gut es uns hier geht“. Azami appellierte an die Schüler, ihre Chancen, in einem friedlichen Land lernen zu dürfen, zu nutzen. Und über seine Situation als Flüchtling in Deutschland: „Es ist wichtig, dass man uns vertraut.“ Wer mehr über seine Erfahrungen in Afghanistan und als Flüchtling in Europa wissen möchte: Seine beiden „Mut zu neuen Wegen“ und „Labyrinth des Lebens“ Bücher sind im Buchhandel erhältlich. (dink)

Dieses Blog durchsuchen